Schedule_2026
2026-08-07 18:00

Orgel VESPER

Rundkirche Berlin-Tempelhof
Wolffring 72, 12101 Berlin

30 minutes of organ music on the modified Karl Schuke organ, 1957/1965/1992/2016
Programm

Jan Pieterszoon Sweelinck (1562–1621)
Unter den Linden grüne
—
Dieterich Buxtehude (1637–1707)
Von Gott will ich nicht lassen, BuxWV 220

Bert Matter (*1937)
Fantasie über „Von Gott will ich nicht lassen“ (Une jeune fillette)
—
Susanne van Soldt Manuscript (1599)
Allemande Loreynen

Jan Pieterszoon Sweelinck war Organist der Oude Kerk in Amsterdam und zählt zu den
prägenden Persönlichkeiten der niederländischen Renaissance. Mit seinem
kontrapunktischen Stil beeinflusste er Generationen von Organisten und gilt als wichtiger
Wegbereiter der norddeutschen Orgeltradition.
Unter den Linden grüne basiert auf einem bekannten deutschen Volkslied aus dem 16.
Jahrhundert. Sweelinck verarbeitet die schlichte Melodie mit feinen Variationen und
verbindet dabei volkstümliche Einfachheit mit kunstvoller kontrapunktischer Arbeit.
Dieterich Buxtehude wirkte als Organist an der Marienkirche in Lübeck und prägte die
norddeutsche Orgelmusik nachhaltig. Der niederländische Organist und Komponist Bert
Matter (*1937) verbindet in seinen Werken historische Choralmelodien mit einer
modernen, reduzierten Klangsprache.
Beide Werke basieren auf derselben Melodie. Diese war zunächst als französisches Lied
Une jeune fillette verbreitet und wurde später im deutschsprachigen Raum mit dem Choral
„Von Gott will ich nicht lassen“ verbunden. Während Buxtehude daraus eine kunstvolle
barocke Choralbearbeitung entwickelt, reduziert Bert Matter die Melodie auf wenige sich
wiederholende Gesten. Dadurch entsteht ein beinahe meditativer Klangraum, der an die
schlichten Wiederholungen der Taizé-Gesänge erinnern kann. Zwei ganz unterschiedliche
musikalische Sprachen – verbunden durch dieselbe Melodie.
Das sogenannte Susanne van Soldt Manuscript entstand um 1599 und gehört zu den
wichtigsten erhaltenen Sammlungen niederländischer und englischer Tastenmusik der
Renaissance. Benannt ist es nach Susanne van Soldt, in deren Besitz sich die Handschrift
später befand.
Allemande Loreynen ist ein eleganter Renaissance-Tanz. Nach den meditativen
Choralbearbeitungen bildet dieses Stück einen leichten und heiteren Abschluss der
heutigen Orgelvesper.